Thurgibirnenbrand

Die Birne ist nicht nur eine sehr alte sondern auch eine sehr beliebte Obstart und ihr Ursprung liegt wohl im Gebiet Kaukasus - Transkaukasien - Anatolien.

In den jungsteinzeitlichen Pfahlbauten der Italienischen und Schweizer Seen, hat man neben Apfelkernen auch Birnenkerne gefunden.

Die Griechen schätzten schon vor ca 3000 Jahren die Birne. Die Birne war in der griechischen Mythologie Hera geweiht, der Frau und Schwester des Zeus. Eines der ältesten Bildnisse der Göttin Hera war aus Birnenholz geschnitzt (Hera von Tiryns). - Der Peloponnes trug den Namen "apia" (von seinem Vater Phoroneus übernimmt er die Herrschaft über die Peloponnes und gibt diesem Gebiet den Namen Apia). Apia bedeutet Birnenland.

Nach der griechischen Sage verwandelte sich Periklymenos in eine Birne, als er von Herakles bedroht wurde. Auch in Homers Epos "Odyssee" wird die Birne erwähnt (im Garten des Phäakischen Königs Alkinoos und als Odysseus nach seiner Rückkehr sich seinem Vater zu erkennen gibt).

Bei den Germanen waren Gruppen von Birnbäumen im Wald heilige Orte.
Birnbäume galten als Wohnst ätten von Dämonen und Hexen, welche die Baumrinde für die schwarze Magie benutzten. Im Mittelalter waren Liebesorakel sehr beliebt, wobei junge Männer den Apfelbaum und junge Mädchen den Birnbaum befragten. Der Birnbaum war sehr stark im Volksglauben verankert. Während der Christianisierung wurden diese (heidnischen) Bäume gefällt oder zu christlichen Stätten umgewandelt (z.b: Wallfahrtsort Maria Birnbaum, St. Marienkirche zu Rötha). Aus dieser Zeit soll auch die spöttische Redewendung stammen "einem glauben machen wollen, daß unser lieber Herrgott im Birnbaum sitze".

Die Römer und Griechen kannten bereits über 35 durch die Veredlung entstandene Sorten. Aus den kleinen sauren Holzbirnen wurden durch Veredlung große, süße Früchte. Plinius, der römische Geschichtsschreiber, beschreibt einige hundert Jahre später bereits 200 Sorten. Im 17. Jahrhundert kannte man in Frankreich an die 300 Sorten, im 19. Jahrhundert war man schon bei 1000 angelangt. Die heutige Anzahl der Sorten in Alter und Neuer Welt wird auf 5000 geschätzt.

Die Thurgibirne

Biosystematik:

Ordnung(Ordo): Rosenartige (Rosales),
Familie(Superfamilia): Rosengewächse (Rosaceae),
Unterfamilie (Subfamilia): Spiraeoideae,
Tribus: Pyreae,
Untertribus: Kernobstgewächse (Pyrinae),
Gattung (Genus): Birnen (Pyrus)
Art (Species): Kulurbirne (Pyrus communis)

Entstanden ist die Thurgibirne wahrscheinlich aus der Holzbirne (Pyrus Pyraster).

Die Thurgibirne ist wohl in der Schweiz im Kanton Thurgau als sog. Zufallssämling entdeckt worden. Um 1823 soll diese Sorte erstmals auch als "Schweizer Wasserbirne" schriftlich erwähnt worden sein.

Die Thurgibirne wird auch als Schweizer Wasserbirne, Schweizerbirne, Thurgauer Birne, Klotzbirne, späte Wasserbirne, Weingiftlerin, Marzenbratbirne, Kugelbirne und Hönggerbirne bezeichnet.

Die Bäume der Thurgibirne können mächtig groß (bis 20 m) werden, und sind oft landschaftsprägende Erscheinungen. Ihr eichenähnlichen Wuchs und die fast kugeligen Früchte lassen den flüchtigen Betrachter jedoch kaum erkennen, dass es sich um einen Birnenbaum handelt. Auch in Höhenlagen hat sich die Thurgibirne als robuste Sorte bewährt und kann auch dort ein hohes Alter (150- 200 Jahre) erreichen.

Die Verbreitung der Thurgibirne ist wohl der süddeutsche Raum, Österreich und natürlich Ihr "Heimatland" Schweiz. Die Ansprüche an den Standort, das Klima und die Bodenbeschaffenheit sind gering.

Diese Birnensorte gehört zu den typischen Most- und Dörrbirnen. Das Fruchtfleisch ist meist gelblich, von grobzelliger Struktur und besonders saftig. Der süßherbe Geschmack ist nicht besonders intensiv. Die Birne enthält wenig Gerbstoffe aber ausreichend Zucker (um 60 Oechsle). Dieser hohe Zuckergehalt privilegiert die Thurgibirne auch als Brennbirne.

Um aus einer solchen Mostbirnensorte einen erstklassigen Birnenbrand herzustellen, bedarf es eines ganz hervorragenden Brenners und Obstfachmanns. Zunächst muss genau der richtige Erntezeitpunkt gewählt werden. Erst Anfang bis Mitte Oktober ist die Erntezeit für die Thurgibirne. Jetzt prüft der Obstfachmann fast täglich die Konsistenz der Frucht, beißt auch hinein, um den Geschmack und die Fruchtfleischfestigkeit zu prüfen. Sind alle gewünschten Eigenschaften vorhanden, wird sorgfältig gepflückt.

Obwohl die Thurgibirne als typische Most- und Dörrbirne sehr gut gelagert werden kann, muss diese schnell in das Maischefass verbracht werden. Anders als zum Beispiel bei der Williams-Christ Birne, vermindert sich der Geschmack durch jeden Tag der Lagerung. Nur schnell und frisch eingemaischte Thurgibirne ergeben ein schmackhaftes Destillat.

Damit die Vergärung auch einen guten Verlauf nimmt, sollten die Birnen zerkleinert werden. Durch das Zerkleinern ist ein schnelles Aufschließen der Zellen gewährleistet und der typische Fruchtgeschmack bleibt dadurch auch besser erhalten. Auch das Brennen muss entsprechend umsichtig durchgeführt werden. Trotz modernster Brenntechnik z. B. mit justierbaren Glockenböden und präzisionsgekühltem Dephlegmator muss die Entscheidung, wann der Vorlauf endet und der Nachlauf beginnt, immer noch vom Brenner getroffen werden. Nur der erfahrene Destillateur versteht es, über maximale Quantität oder über maximale Qualität zu entscheiden.

schnapsler.de - Birnenbrand von der Thurgibirne


 

 

Thurgibirne

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