Gravensteiner Apfelbrand
Welch ein prächtig duftender Apfel, dieser Gravensteiner Apfel. Nicht umsonst wurde der Gravensteiner Apfel auch Sommerkönig, Grafenapfel, Prinzessinapfel, Gewürzapfel, Duftapfel oder Paradiesapfel genannt.
Über die Herkunft dieser Apfelsorte gibt es herrliche und wunderbare Spekulationen, an welchen wir uns nicht beteiligen möchten. Sicher scheint die erstmalige Erwähnung um 1669.
So schreibt Frederik Thaarup schon 1795 in seinem "Versuch einer Statistik der Dänischen Monarchie, Band 1"
"Unter den Schleswigschen Apfelsorten ist die Gravensteiner, ihrer Größe, Saftigkeit und seines Geschmacks wegen vorzüglich bekannt. Sie sind unstreitig, sagt Hirschfeld* in seinem Handbuch, die Könige unter den Äpfeln und man bezahlt oft die Tonne mit 12 bis 20 Reichstalern."
*Zitat von Justizrat und ordentlichem Professor der Philosophie und der schönen Künste zu Kiel Ch. C. L. Hirschfelds Gartenkalender v. 1786. Ch. C. L.Hirschfeld wird auch zurecht als der Deutsche Gartenphilosph bezeichnet.
Der Gravensteiner Apfel ist an der Nordküste, sowie an vielen Orten des nördlichen Deutschlands, aber auch in Württemberg und gelegentlich am Bodensee verbreitet.
Der Baum wächst stark, kräftig und wird recht groß, bildet eine hochgewölbte, umfangreiche und starkästige Krone. Ein freistehender Gravensteiner Apfelbaum ist während der Blüte eine wunderschöne und einzigartige Erscheinung in der Landschaft.
Leider setzt die Blüte schon recht früh ein und die Blüte des Gravensteiner Apfelbaumes ist sehr frostempfindlich.
Die Grundfarbe eines Gravensteiner Apfels ist ein klassisches Apfelgrün. Sonnenseitig jedoch kräftig karminrot marmorierten oder geflammt. Gravensteiner Äpfel sind Formindividualisten. Ihre Form ist ungleichmäßig, manchmal ungleichhälftig, kugelig oder abgeflacht oder sogar hochgebaut. Das Fruchtfleisch ist hellcremefarben bis gelblich, weich und sehr saftig, mit hervorragendem Aroma und mit einem charakteristischen sortentypischen Duft.
Besonders edles Obst wie der Gravensteiner Apfel, ist meist auch ein empfindliches Obst und daher bei den Obstbauern mit "Turboambitionen" nicht so sehr geschätzt. Der Gravensteiner Apfel wird ungleichmäßig reif und so kann sich die Ernte von Ende September bis Anfang November hinziehen. Gravensteiner Apfelbäume sollten also mehrmals abgeerntet werden. Weiterhin ist der Apfel sehr druckempfindlich. Dies bedeutet, bei Hochstammbäumen (z.B. in Streuobstwiesen) sollte der Obstbauer mehrmals vom Baum pflücken, da die herabfallenden Äpfel bereits nach wenigen Liegestunden an Qualität verlieren. Die frostempfindlichen Blüten, die Schorf- und Mehltauanfälligkeit, sowie ein meist witterungsbedingter Befall mit Kernhausfäule sind weitere Argumente. Der Gravensteiner Apfelbaum mag dann auch noch ein besonders ausgeglichenes gleichmäßiges Klima ohne starke Wärme- und Feuchtigkeitsschwankungen, sowie eine windgeschützte Lage. Alle die beschriebenen Schwierigkeiten können bei ungünstigen Bedingungen zu einem Totalausfall der Ernte führen.
Obstbauern mit einer gewissen Risikobereitschaft können in guten Jahren jedoch einen der wertvollsten Äpfel ernten, welcher zu einem einmaligen und sortentypischen Edeldestillat verwandelt werden kann.
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