Die Geschichte des Obstbaus

 

4000 v. Chr. Der Pfahlbauapfel wurde kultiviert. Bei den Pfahlbauten aus dem Neolithikum (Jungsteinzeit) an den Ufern des Bodensees (Unteruhldingen, Bodman, Eschens) finden sich neben anderen Nahrungsresten auch wilde Holzäpfel (Malus sylvestris) und die "größeren" Pfahlbauäpfel, welche einen Durchmesser von ca. 3-4 cm hatten.
 

1500 v. Chr.

Obstbau ist schon in der vorgeschichtlichen Zeit betrieben worden. Dies beweist zum Beispiel der in Tell el Amarna (Mittelägypten) gefundene Plan eines königlichen Gartens.
Auch in den ägyptischen Pyramiden wurden Samen z. B. des Granatapfels (Punica granatum) und der Dattelpalme (Phoenlx dactyllfera) gefunden, welche wohl zur Aussaat im Jenseits bestimmt waren.

 

1000 v. Chr.

Griechische Einwanderer beginnen mit dem Obst- und Weinbau in Kleinasien und Unteritalien.

 

900 v. Chr.

Der griechische Dichter Homer berichtet vom Obst- sowie Weinbau und benennt schon mehrere Obstarten.
So beschreibt Homer auch eine "Raststation" seines Helden Odysseus beim Phäakenkönig Alkinoos:
"Draußen vor dem Hofe aber ist ein großer Garten, nahe den Türen, vier Hufen groß, und um ihn ist auf beiden Seiten ein Zaun gezogen. Da wachsen große Bäume, kräftig sprossend: Birnen und Granaten und Apfelbäume mit glänzenden Früchten, und Feigen, süße, und Oliven, kräftig sprossend. Denen verdirbt niemals die Frucht noch bleibt sie aus, winters wie sommers, über das ganze Jahr hin. Sondern der West bläst immerfort und treibt die einen hervor und kocht reif die anderen. Birne altert auf Birne und Apfel auf Apfel, Traube auf Traube und Feige auf Feige..."

Zur Zeit Homers waren zum Beispiel aus der Wildbirne "Pyrus pyraster", bereits weiche und auch geschmacklich unterschiedliche Sorten gezüchtet worden.

 

800 v. Chr.

Der römischen Göttin Pomona (die Göttin des Gartens, Obstes und des Obstbaus) wird auch die Erfindung des Okulierens (das Veredeln mittels eines Triebauges unter die Rinde des Wildlings) zugeschrieben.

 

600 v. Chr.

Die von König Nebukadnezar II. erbauten "hängenden Gärten von Semiramis", oder die "hängenden Gärten von Babylon", wie sie heute korrekt genannt werden (eines der sieben antiken Weltwunder). Diese enthalten natürlich auch Obstbäume (Früchtebäume). Babylon lag in einer sehr trockenen Ebene des Zweistromlandes. Deshalb waren die prachtvollen grünen Gärten eine große Besonderheit.

 

540 v. Chr.

Der persische König Kyros II. lässt an den großen Heerstraßen Obstbäume pflanzen und der griechische Geschichtsschreiber Xenophon berichtete auch von den wunderschönen Palastgärten des Perserkönigs Kyros der Jüngere, in welchen es wunderschöne, reich tragende Obstbäume gegeben haben soll.

 

500 v. Chr.

Pythagoras der griechische Philosoph und Mathematiker lehrt den Vegitarismus:
"Laßt, ihr Sterblichen, ab durch frevlige Speise die Leiber Euch zu entweihn. Feldfrucht ja ist und die tragenden Äste Abwärts ziehendes Obst und am Weinstock schwellende Trauben, Zarte Gewächs' auch sind und andere, welche das Feuer Mild kann machen und weich; und wird euch nimmer benommen Labende Milch, noch Seim nach Thymian duftenden Honigs. Gaben in Fülle beschert die verschwendende Erde zu milder Nahrung und beut euch Kost, die Blut nicht heischet und Tötung."
Diese umstrittenen Ernährungsform fördert noch heute den Obstabsatz.

 

455 v. Chr.

Konsul Appius Claudius bringt die Apfelsorte "Api" von Griechenland nach Italien.

 

360 v. Chr.

Der griechischen Arzt Hippokrates beschreibt die Theorie des richtigen Okulierens.

 

152 v. Chr

Marcus Porcius Cato, ein Begründer der römischen Kunstprosa, schreibt "De Agricultura" wohl das erste Werk über Feldbau in lateinischer Sprache.

 

100 v. Chr.

Die Römer bringen Obstsorten nach Gallien und Germanien.

 

75 v. Chr.

Lucius Licinius Lucullus, römische Feldherr, Politiker und Gourmet, brachte aus Kleinasien bereits kultivierte Kirschen mit.

 

57 v. Chr.

Der römische Statthalter Marcus Brutus, sorgt dafür, daß in den südlichen Provinzen Galliens, dem Land zwischen Alpen, Pyrenäen und Atlantik, der Obstbau ein neues Terrain gewann.

 

77

Der Römer Gajus Plinius Secundus, genannt Plinius der Ältere (Schriftsteller und die erste Autorität der Wissenschaft im Altertum), schreibt in seiner 37 Bände umfassenden "Historia Naturalis" auch über Obst- und Weinbau. In diesem Werk sollen schon 41 Birnen-, 25 Apfel-, 9 Pflaumen-, 7 Kirschen- und 5 Pfirsichsorten erwähnt werden.

 

185

Galenus (Leibarzt des Kaisers Marc Aurel) lehrt, Wein und Essig aus Birnen herzustellen.

 

200

Der durch die Römer geförderte Obstbau erreicht das Gebiet der Mosel.

480

Im feudalistischen Deutschland werden mit den falischen und bayerischen Gesetzen Strafen für die Beschädigung von Obstbäume und den Obstdiebstahl festlegt.

 

800

Karl der Große befahl, den Obstbaum als Kulturgewächs in die Reihe der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen aufzunehmen. Zusätzlich erlässt er zahlreiche Verordnungen für den Obstbau. In seiner der Landgüterverordnung ('Capitulare de Villis') listet er für den Anbau in den Landgütern vorgeschrieben Pflanzen auf. Neben Kräuter und Gemüse auch z. B. Äpfel, Birnen, Pfirsich, Pflaume, Quitte und Speierling.

 

1150

Konrad III. erster Stauffer-König auf dt. Thron bringt die Apfelsorte "Api" nach Deutschland.

1165

Hildegart von Bingen (Äptissin, Ärztin, Naturforschering, Dichterin und Mystikerin) schreibt über Ursachen und Behandlung von Krankheiten. In einigen Ihrer Aufsätze über Krankheiten, rät sie vom Genuss frischen (also ungekochtem) Obstes ab.
In Ihrer Schrift "Vom Essen" gibt sie folgenden Tipps für das Frühstück:
"Nüchtern esse der Mensch zunächst etwas Warmes, damit der Magen sich erwärme, nichts Kaltes, weil dann der Magen so kalt wird, dass er nachher durch warme Speisen kaum erwärmen kann... Alles Obst, saft- und feuchtigkeitsreiche Nahrung vermeide er bei der ersten Mahlzeit, weil diese Speisen Schleim und Unruhe in den Säften herbeiführen würden; wenn er aber schon etwas genossen hat, kann er sie essen, und dann dienen sie mehr der Gesundheit als zur Schwächung des Körpers."

 

1267

Im Hoheitsgebiet von Waldemar Markgraf von Brandenburg blüht der Obstbau auf.

 

1582

Der Kurfüst August v. Sachsen fördert den Obstbau. So gibt er ein "Obstgartenbüchlein" heraus. Dieser große Förderer der Obstkultur führt auch stets einen hohlen Stock mit Obstkernen mit sich und auf Reisen sogar Säckchen voller Obstsamen. So konnte er überall Aussaaten machen. Auch sammelte Kurfüst August viele Obstsorten. Er verfasste weiterhin den Obstbau fördende Gesetze, wie zum Beispiel, dass jedes neue Ehepaar zwei Obstbäume pflanzen muss.

 

1618-1648

Im Dreißigjährige Krieg brechen Handel, Industrie und die Landwirtschaft zusammen. Nach Ende des Krieges beginnt auch der Wiederaufbau des Obstbaus.

 

1629

In England beschreibt John Parkinson in seinem "Paradisus terrestris" 57 Äpfel-, 64 Birnen-, 62 Pflaumen- und 33 Kirschensorten.

 

1670

Quintinye, "der Vater der Pomologie" zur Zeit Ludwigs XIV. beschreibt 6o Apfel- und 164 Birnensorten.

 

1725

Landgraf Karl von Hessen lässt vor Kassel eine große Obstbaumschule anlegen, aus welcher jedes neue Ehepaaar zwei Bäume für einen sehr geringen Preis zur Auspflanzung erhält.

 

1791

Im damaligen Schlesien sollen sich genau 1.410.062 Obstbäume befinden - so das Ergebnis einer Zählung der Herren v. Wedell und v. Bülow.

 

1787

Friedrich Wilhelm III, der spätere König von Preussen, ernennt den Oberhofbaurat Manges zum Direktor der königlichen Gärten. Manges hatte eine dem Obstbau förderliche Klassifikation der Obstsorten verfasst.

 

1793

Johann Caspar Schiller, Wundarzt, Feldscher, Hauptmann, Obristwachtmeister und 20 Jahre Intendant der Hofgärtnerei Solitude, sowie Vater des Dichters Friedrich von Schiller, gibt sein Werk über die Obstbaumzucht heraus. Er gab wichtige Anstöße für die Weiterentwicklung der Obstbaumzucht und wurde so zum Begründer des neuen wissenschaftlichen Obstbaus in Württemberg.

 

1816

Richard Williams stellt 1816 die feine Birnensorte "Williams Bon Chrétien" der Londoner Gesellschaft für Obst- und Gartenbau vor. Heute ist diese Birnesorte (Williams-Christ Birne) wohl die wichtigste Wirtschaftsbirne weltweit.

 

1837

Gartenbauinspektor Eduard Lucas führt den ersten Baumwartlehrgang in Hohenheim durch.

 

1843

In Hohenheim wird die Gartenbauschule errichtet.

 

1879/80

Dem extrem kalten Winter fielen in Baden und Württemberg große Teile vorhandenen Obstbaumbestandes zum Opfer. Unter der Landbevölkerung entstand große Not. Da auch die Baumschulbestände erfroren waren, war kein Pflanzmaterial für Neupflanzungen vorhanden.

 

1881

Aus der durch den Winter 1879/80 entstandene Notsituation heraus beschloss der damalige Kreistag Freiburg/Emmendingen (im heutigen Baden-Württemberg) die Gründung von kreiseigenen Baumschulen, um den Mangel an Pflanzmaterial zu beheben und vor allem Hoffnung zu verbreiten.

 

1890

Die in der Entstehung begriffenen Erwerbsobstbau erhalten vom "Deutschen Pomologenverein" Sortenempfehlungen. Diese befürworten gleichzeitig die Vernichtung "unwerter Sorten" und dadurch beginnt der Rückgang der Sortenvielfalt.

 

1919

Der Deutschen Pomologenverein wird Aufgelöst und der Deutsche Obstbauverein wird als Nachfolgeorganisation gegründet.

 

1950

Die Empfehlung nur noch weniger Standard-Sorten und staatliche Abholzungsprämien für Obstbäume führen zu einem dramatischen Rückgang der Sortenvielfalt und vor allem der Streuobstbestände. Obst wird immer weniger selbst produziert und stammt aus Plantagenanbau und wird auch in zunehmenden Masse aus anderen Erdteilen importiert.

 

1991

Neu-Gründung des Pomologen-Verein e.V. Nun mit der Zielsetzung: Die Vielfalt der alten Obstsortimente zu Bewahrung und den landschaftsprägenden Streuobstbau zu Fördern.

 

1996

Die Verordnung (EG) Nr. 2200/96 über Qualitätsnormen für Obst und Gemüse bestimmt, dass Erzeugnisse, für die EU-Qualitätsnormen bestehen, nur dann in Verkehr gebracht werden dürfen, wenn sie den Qualitätsnormen entsprechen und entsprechend gekennzeichnet sind.
Obst welches nicht der EG-Norm entspricht darf nur im Direktverkauf ab Hof an denVerbraucher weitergegeben werden.
Diese Normen klassifizieren Obst zum Beispiel nach Grösse, Form und Farbe in die Handelsklassen: EXTRA, I und II.
Viele sog. "alten Obstsorten" werden dadurch praktischn nicht mehr vermarktungsfähig.